Sozial verantwortliche Beschaffung in der Praxis

Das LANDMARK Projekt macht öffentlichen Einrichtungen Vorschläge in Form von Leitfäden, mit denen sie ihre Einkaufsmacht nutzen können, um Herstellungsweisen entlang der Lieferkette zu verbessern. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Einforderung einer aussagekräftigen Verifizierung der Angaben zur Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen. Die am LANDMARK-Projekt beteiligten Verwaltungen in Bremen (Deutschland) und  Loures (Portugal) gehen hier beispielhaft voran, indem sie die Vorschläge in ihrer eigenen Einkaufspraxis beherzigen.

Bericht über Erfolgsgeschichten

Der Bericht "Vorreiter der sozial verantwortlichen öffentlichen Beschaffung", der im März 2014 veröffentlicht wurde, enthält sieben Erfolgsgeschichten, die zeigen, wie der öffentliche Einkauf dazu genutzt werden kann, Verbesserungen für die Beschäftigten in globalen Lieferketten anzutreiben. Die AutorInnen freuen sich über die Nachahmung dieser Ideen in ganz Europa.

Sozial verantwortliche Ausschreibungen

Sozial verantwortliche Ausschreibungen in Bremen

Bremen hat sich mit dem Tariftreue- und Vergabegesetz Ende 2009 gesetzlich verpflichtet, soziale und ökologische Kriterien bei der Auftragsvergabe zu berücksichtigen. Durch die Teilnahme am LANDMARK-Projekt werden öffentliche Auftraggeber bei konkreten Ausschreibungen sensibler Produkte beraten. Es werden zudem Seminare für Beschaffende, Lieferanten und Bedarfsträger durchgeführt und sog. Unternehmensdialoge initiiert, um Lieferanten und Produzenten auf die neuen sozialen Anforderungen einzustellen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Initiierung struktureller Anpassungen im Einkaufsmanagement, z. B. wird eine zentrale Kompetenz für Arbeits- und Schutzkleidung aufgebaut, um die Berücksichtigung sozialer und ökologischer Standards für alle Bedarfsträger rechtssicher zu gewährleisten. Seit Beginn des LANDMARK-Projekts im April 2011 wurde eine Bandbreite verschiedener Ausschreibungen in den Produktgruppen Arbeits- und Dienstbekleidung sowie Textilien, Natursteine und im Bereich der IT umgestellt.

Beispiele für Ausschreibungen in Bremen:

IT-Hardware

  • Produktgruppe: IT-Hardware (mit IT-Dienstleistungen)
  • Gesamtvolumen: ca. € 70 Millionen (Rahmenvertrag)
  • Vergabeverfahren: Verhandlungsverfahren
  • Eingeforderte soziale Kriterien: ILO-Kernarbeitsnormen sowie weitere ILO-Normen
  • Verifizierungsmethode: Vergabekriterien für das Sozialkonzept des Bieters (in den Ausschreibungsunterlagen vorgeschlagene Verifizierung: Bericht mit detaillierten Fragen oder externe Prüfung)
  • Ausschreibungsunterlagen (zip, Deutsch) zum Download verfügbar.


Fahrzeug-Leasing

  • Produktgruppe: Pkw (Leasing)
  • Gesamtvolumen: ca. € 245.000
  • Vergabeverfahren: offene Ausschreibung
  • Eingeforderte soziale Kriterien: ILO-Kernarbeitsnormen
  • Verifizierungsmethode: gestaffelte Bietererklärung mit Fragenkatalog
  • Ausschreibungsunterlagen (zip, Deutsch) zum Download verfügbar.


Dienstkleidung

  • Produktgruppe: Textilien (Dienstkleidung: Jacken und Hosen)
  • Gesamtvolumen: ca. € 40,000
  • Vergabeverfahren: beschränkte Ausschreibung
  • Eingeforderte soziale Kriterien: ILO-Kernarbeitsnormen
  • Verifizierungsmethode: gestaffelte Bietererklärung
  • Ausschreibungsunterlagen (pdf, Deutsch) zum Download verfügbar.



Sozial verantwortliche Ausschreibungen in Loures

Die Gemeinde Loures hat als Partner des LANDMARK-Projekts soziale Kriterien in ihren Beschaffungsprozess eingeführt. Um kommunale Lieferanten und Dienstleister zu verpflichten, hat Loures einen Verhaltenskodex für Lieferanten und eine Vorlage für eine Verpflichtungserklärung erarbeitet (pdf, Englisch). Zwischen Dezember 2012 und April 2013 wurde der Verhaltenkodex in fünf Verfahren für fünf verschiedene Produktkategorien angewendet. Bei der Einreichung der Angebote fordert Loures alle Bieter dazu auf, die Verpflichtungserklärung vorzulegen. Gebote, die nicht die Verpflichtungserklärung enthalten, werden ausgeschlossen. Um die Einhaltung des Verhaltenskodex zu überwachen, hat Loures ein internes multidisziplinäres Team aufgestellt. Diese Überprüfungsgruppe wurde im November 2013 gegründet und besteht aus Vertretern von vier verschiedenen technischen Abteilungen innerhalb der Gemeinde, die alle einen Bezug zu sozial verantwortlicher öffentlicher Beschaffung haben. Loures wird diesen Ansatz in zukünftigen Beschaffungsverfahren fortsetzen, insbesondere beim Einkauf von problematischen Produkten, die den Schwerpunkt des LANDMARK Projekts bildeten, wie beispielsweise Gemüse und Obst für den kommunalen Kantinen und Möbel für Schulen.

Beispiele für Ausschreibungen in Loures:

Laufender Bedarf an Verbrauchswaren und Tonerkartuschen

  • Produktgruppe: Verbrauchswaren und Tonerkartuschen für Kopierer, Drucker und Zeichengeräte
  • Gesamtvolumen: € 68,000 zzgl. MwSt
  • Vergabeverfahren: nichtoffenes Verfahren
  • Eingeforderte soziale Kriterien: ILO-Kernarbeitsnormen, ILO-Übereinkommen 26, 131 und 135, ILO-Empfehlung 143, die Grundsätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie nationale und kommunale Rechtsvorschriften
  • Verifizierungsmethode: Verpflichtungserklärung
  • Ausschreibungsunterlagen (zip, Portugiesisch).


Persönliche Schutzbekleidung (Uniformen und Schuhe)

  • Produktgruppe: Persönliche Schutzbekleidung (Uniformen und Schuhe)
  • Gesamtvolumen: € 20.766 zzgl. MwSt
  • Vergabeverfahren: nichtoffenes Verfahren
  • Eingeforderte soziale Kriterien: ILO-Kernarbeitsnormen, ILO-Übereinkommen 26, 131 und 135, ILO-Empfehlung 143, die Grundsätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie nationale und kommunale Rechtsvorschriften
  • Verifizierungsmethode: Verpflichtungserklärung, Fragebogen zur Verifizierung, Besuche bei den Zulieferern und Erfassung von Nachweisen/Dokumenten
  • Ausschreibungsunterlagen (zip, Portugiesisch).


Überwachungs- und Sicherheitsdienstleistungen in Gebäuden der Stadtverwaltung Loures

  • Produktgruppe: Überwachungs- und Sicherheitsdienstleistungen
  • Gesamtvolumen: € 375,658
  • Vergabeverfahren: offenes Verfahren
  • Eingeforderte soziale Kriterien: ILO-Kernarbeitsnormen, ILO-Übereinkommen 26, 131 und 135, ILO-Empfehlung 143, die Grundsätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sowie nationale und kommunale Rechtsvorschriften
  • Verifizierungsmethode: Verpflichtungserklärung und Fragebogen zur Verifizierung
  • Ausschreibungsunterlagen (zip, Portugiesisch).